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Belletristik

Frank Tallis: Die Liebermann - Papiere

Dies ist der erste Band einer Krimireihe, die im Wien Ende des 20. Jahrhunderts angesiedelt ist. Erste Anzeichen, dass die Habsburger Monarchie ihren Zenit überschritten hat, werden sichtbar, in der Kommunalpolitik Wiens keimen antisemitische Strömungen auf. In dieser Atmosphäre aus gesellschaftlichem Umbruch und dem „noch Festhalten“ am traditionellen bürgerlichen Leben Wiens, begleitet der Leser Kriminalinspektor Reinhardt sowie dessen Freund und ein Schüler Sigmund Freuds, Max Liebermann. Neben der geschichtlich politischen Entwicklung, wird auch der Wandel in der Medizin detailliert dargestellt und diese Mischung macht den eigentlichen Reiz des Krimis aus. Sigmund Freud entwickelt seine Theorien, die Liebermann als faszinierter Schüler nachzuvollziehen und anzuwenden sucht. Mit analytischen Ansätzen reflektiert er nicht nur seine Privatleben und versucht neue Wege in seiner ärztlich-klinischen Tätigkeit zu beschreiten, sondern Liebermann steht auch seinem Freund Reinhardt bei dessen Ermittlungen zur Seite. Reinhardt seinerseits,  mit gesunder Wissbegier, wie auch Skepsis für die Theorien seines Freundes ausgestattet, holt Liebermann auf den Boden der Tatsachen zurück wenn manchmal „eine Zigarre nur eine Zigarre“ ist.

 Originaltitel: Mortal Mischief
ISBN: 978-3-442-73463-4
Verlag: btb

Frank Tallis lebt in London. Er arbeitet als klinischer Psychologe und Schriftsteller.

Außer Vorträgen am Institute of Psychiatry und King's College, London, veröffentlichte er Bücher zur Selbsthilfe (How to Stop Worrying, Understanding Obsessions and Compulsions) und Sachbücher für psychologisch interessierte Laien (Changing Minds, Hidden Minds, Love Sick). Für seine Romane, vor allem für seine Erfolgsserie um den Psychoanalytiker und Detektiv Max Liebermann, erhielt er u. a. den “Writers’ Award from the Arts Council of Great Britain” und den “New London Writers’ Award”.


Irvin Yalom: Jeden Tag ein bisschen näher

Nachdem Patientin und Therapeut in der Gruppentherapie keine Entwicklung sehen, geht Yalom einen neuen Weg. Er nimmt die Patientin, die als Schriftstellerin auch an einer Schreibblockade leidet, in Einzeltherapie und vereinbart mit ihr, dass sie beide jeweils einen Bericht über die Therapiestunde schreiben würden: über alle nichtverbalisierten Gefühle und Gedanken. Diese Berichte sollten vor jeder nächsten Therapiestunde zu seiner Sekrtärin unter Verschluss kommen und erst nach einem halben Jahr gegenseitig ausgetauscht werden. Lange Zeit nach Abschluss der Therapie entschlossen sich beide gemeinsam, die Notizen wie ein Tagebuch mit einem Pseudonym der Patientin zu veröffentlichen. Jeder der Klinik- oder Therapieerfahrung hat, mag sich ein stückweit in diesem Buch selbst erkennen. Beeindruckend deutlich werden die unterschiedliche Sichtweise von Arzt und Patient auf ein und dieselbe Sitzung, wo Reflexion durch den einen sich mit der Selbstreflexion durch den anderen deckt oder nicht. In Selbstreflexion gibt Yalom neue Denkanstösse über die  Arzt-Patienten-Beziehung und Kommunikation in einer Therapiesitzung. Ermutigend an diesem authentischen Projekt ist für den Leser der Überblick, den er über die Therapie behält. Er hofft weder als Arzt noch als Patient auf dauernd spürbare Veränderungen durch die Thrapie. Er macht die Erfahrung, dass ein „Feststecken“ im therapeutischen Prozess Teil dessen sein kann und darf nicht zuletzt aber auch die Reifung miterleben, wie sie die Patientin empfindet und der Arzt sie erlebt. Eine Reifung die beide Beteiligte und den Leser nicht unberührt lässt.

Originaltitel: Every Day Gets a Little Closer. A Twice-Told Therapy
ISBN: 978-3-442-72712-4
Verlag: btb

Irvin D. Yalom: Nachdem seine  Familie kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges aus einem kleinen Dorf namens Celtz, nahe der polnischen Grenze, ausgewandert war, wurde Irvin David Yalom am  13. Juni 1931 in Washington DC geboren. Er zählt zu den einflussreichsten Psychoanalytikern der USA, mtlerweile ist er emeritierter Professor für Psychiatrie an der Unversität Stanford. Er gilt als bedeutendster lebender Vertreter der existentiellen Psychotherapie. 2009 bekam er den Internationalen Sigmund-Freud-Preises für Psychotherapie. Irvin D. Yalom ist verheiratet und Autor verschiedener Bücher. Seine Werke über die Existenzielle Therapie und die Gruppentherapie gelten als Klassiker, aber er veröffentlichte neben psychotherapeutischen Standardwerken auch psychoanalytische Geschichten und Romane mit teils philosophischem Hintergrund.
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